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Deutschland, scheinheilig Vaterland


Die Geschichte zu diesem Buch.

Vom Autor Norbert Gisder.

Ein Buch, davon bin ich überzeugt, kann heute noch so "gefährlich" für die Tyrannei der Konvention über Menschlichkeit und Kreativität sein, wie einst die erste in deutsche Sprache übersetzte Bibel durch Luther.

Der vorliegende Band will von seinen Texten her eine die Sinne ansprechende Form der Analyse menschlicher Schwächen sein - und wird damit scheinbar irgend jemandem gefährlich. Sonst wäre die weitere Verbreitung der 1. Auflage bei BoD nicht unterbunden worden. Wem der Inhalt oder einzelne Passagen gefährlich sein könnten, mögen die Leser selbst entscheiden.

Wie zu Beginn des Buches erzählt, erreichte mich kurz nach Erscheinen der 1. Auflage im BoD-Verlag in Hamburg-Norderstedt ein recht eindeutiger Drohanruf eines Mannes, der seinen Namen nicht nannte; der dafür recht klar von mir verlangte, ich möge das Buch vom Markt nehmen: Deutschland sei nicht "scheinheilig" und ich würde mit meinem Buch "unser heiliges Vaterland" verunglimpfen.

Eine Woche später kündigte der herausgebende Verlag, BoD in Hamburg Norderstedt, den Autorenvertrag mit mir und löschte "Deutschland, scheinheilig Vaterland" ohne vorherige Absprache mit mir und gegen den Vertrag, den wir geschlossen hatten, aus allen Katalog- und Internet-Listen.

Da mir völlig schleierhaft war, wieso BoD dies tat, schrieb ich an den Verlag den folgenden Brief:

"Mit großem Bedauern muss ich Ihren Brief vom 9. November 2010 wohl zur Kenntnis nehmen, in dem Sie den Titel ,Deutschland, scheinheilig Vaterland' kündigen. Den Grund dafür verstehe ich allerdings nicht - welchen Grundsätzen Ihres Unternehmens widerspricht der Inhalt? ... Bitte seien Sie doch so freundlich und nennen mir Gründe für die Kündigung, damit ich diese in Zukunft respektieren kann."

Als mich am nächsten Tag weder ein Anruf noch ein Brief erreichte, rief ich meinerseits beim Verlag in Hamburg Norderstedt, BoD, an. Es musste ja irgendjemanden geben, der die Entscheidung getroffen hatte. Den wollte ich sprechen. Notfalls einen der Geschäftsführer. Natürlich hoffte ich immer noch, es handele sich um einen Irrtum, also war ich - ebenso wie in meinem Brief - betont freundlich. Trotzdem wollte man mich von der Telefon-Zentrale zunächst gar nicht durchstellen. Erst als ich sehr bestimmt darauf bestand, wurde ich weitergeleitet.

Nun meldete sich jene Dame am anderen Ende der Leitung, die auch den Brief mit der "Titelkündigung" von "Deutschland, scheinheilig Vaterland" unterzeichnet hatte.

Ich sage, dass ich den Brief vom 9. 11. 2010 mit der Titelkündigung gestern erhalten, auch schon geantwortet und schriftlich um Gründe gebeten hätte, um die Chance zu erhalten, Unternehmensgrundsätze zu respektieren.

Die Dame gab sich unnahbar: BoD habe vertraglich das Recht, Titel zu kündigen. "Es kommt darauf an, wie der Inhalt ist." Darüber diskutiere man dann auch nicht. Die mir im Brief vom 9. November mitgeteilte Begründung müsse reichen. Da seien ja auch Paragraphen angegeben.

Ich erwiderte: "Diese Paragraphen verweisen aber überhaupt nicht auf Unternehmensgrundsätze."

"Das ist völlig unerheblich. Wenn wir kündigen, dann muss Ihnen das so reichen. Die Gründe werden wir Ihnen nicht erklären", schallte es zurück

Ich warf ein, dass mir das doch sehr nach Zensur rieche. Ich müsse doch wissen, ob ich zu Stuttgart 21 oder zum Krieg in Afghanistan oder dem Kosovo oder einer anderen der beschriebenen Scheinheiligkeiten nach Verlagsauffassung "zu weit" gegangen sei ...

Antwort: "Nein, unsere Kündigung muss Ihnen als Begründung reichen." Pause.

Irgendwie schien ich der Dame aber doch leid zu tun, denn nach einer Weile sagte sie: "Ich kann nachvollziehen, dass Sie die Gründe kennen wollen, aber darüber sprechen wir nicht." Dann wurde ihre Stimme wieder hart und es kam mir so vor, als wenn das daran gelegen hat, dass ihr jemand etwas vorflüsterte, als sie sagte: Auch diese Ansage müsse mir eben "reichen". Dann fügte sie noch hinzu: "Vertrag hin, Vertrag her."

Ich insistierte: "Das tut es aber nicht. Vereinbarungen werden zwischen Menschen getroffen und nicht zwischen Paragraphen und darum möchte ich mit jemandem, der die Entscheidung zur Titelkündigung begründen kann, über diese Gründe sprechen."

Ich sagte noch, dass schließlich die Werbung bereits angelaufen und auf einigen Tausend Seiten im Internet über das Buch berichtet werde, das bei Lesern auf reges Interesse stoße und diskutiert werde.

"Aha", sagte die Stimme am anderen Ende der Leitung - und an dieser Stelle schien sie tatsächlich nachdenklich zu werden.

Dann sagte sie: "Also ich kenne die Gründe jetzt auch nicht so ganz genau, aber vielleicht werde ich da noch mal nachschauen und es dann ggf im Haus besprechen, wie wir mit Ihrem Wunsch umgehen."

Ich: "Ich bitte darum."

Gesprächsende: 11.44 Uhr am 12. November 2010.

Mir reicht's.

Meinem Freund Ferdinand, dem ich die Geschichte erzähle, geht es ebenso wie einem Verlagsagenten, mit dem ich darüber spreche: Beide haben noch nicht von so einem Fall gehört.

"Da steckt jemand hinter, der auf keinen Fall will, dass dieses Buch eine breite Öffentlichkeit erreicht. Aber warum nur?" Das sagt der Verlagsagent, nachdem er im Internet nachgeschaut hat. Schließlich laufe die Werbung "prächtig" und es seien rundherum positive Verkaufstrends erkennbar - "das Interesse an diesem Buch ist so groß, dass man hier bei gutem Marketing einen ungewöhnlich guten Verkaufserfolg erwarten darf."

Ich bin ratlos. Ferdinand hat gesagt, ich soll diese Geschichte einem Anwalt vortragen. Ich frage mich (noch), ob ich es mir mit BoD verscherzen soll.

"Für Rücksichtnahmen gibt es überhaupt keinen Grund", sagt der Verlagsvertreter: "BoD will dich nicht. BoD will nicht nur das Buch nicht, die wollen es vor allem nicht von dir, sonst würden die so nicht reagieren."

Mein Rechtsanwalt sieht das genauso. Lange hat er mir zugehört. Das Buch kennt er nicht; das ist auch unerheblich. Er ist ein Jurist im besten Alter und mit einer Erfahrung, die auf eine jahrzehntelange Praxis zurückgreifen kann. Auch er sagt, so einen Fall habe er noch nicht erlebt.

Nun schreibt er in einem Brief an BoD: "Uns liegt Ihr Schreiben vom 9. November 2010 vor. Nicht vorliegen tut uns jedoch ein vermeintlicher Autorenvertrag, aus dem nach § 9 Abs. 3 ein Kündigungsrecht Ihrerseits hervorgeht. Ihre Berufung auf ein derartiges Kündigungsrecht scheint ein Versehen Ihrerseits zu sein.

Nichtsdestotrotz bitten wir Sie um eine vollständige Aufstellung der bisherigen Verkäufe und der Abrechnung hierüber.

Ferner müssen wir Sie darauf hinweisen, dass Sie im Falle, dass Sie keine weiteren Auslieferungen des Buches mehr vornehmen, selbstverständlich schadensersatzpflichtig ... sind. Allein der Umstand, dass bei den verschiedenen Vertriebsfirmen zwischenzeitlich das Buch ... nicht mehr zu erhalten ist, zeigt, dass Sie die Herstellung eingestellt haben."

Der Anwalt meiner Rechte beziffert einen vorerst geschätzten Schaden und endet mit Formalitäten.

Der Brief geht am 16. November 2010 an BoD. Eine Woche nach der Titelkündigung. Am selben Tag, also ebenfalls eine Woche nach der Titelkündigung, zieht BoD die Kosten, die für die Verwaltung der Textdatei im Verlag entstehen, sowie die Kosten für die mir gelieferten Autorenexemplare ab. Das scheint zu funktionieren - auf dieses Geld will der Hamburger Verlag nicht verzichten.

Ich telefoniere mit anderen, befreundeten Verlegern. Keiner von denen kann sich andere Gründe für die Titelkündigung als irgendwelche "Hintermänner" vorstellen. "Da muss sich jemand sehr gestört fühlen durch eine Veröffentlichung in dem Buch", ist die einhellige Meinung.

Immerhin haben meine Anrufe schon bald ein Angebot zur Folge - und weil es glücklicherweise noch mutige Verleger gibt, die keine Angst vor politischen Dunkelmännern haben, halten Sie mit diesem Band die 2. Auflage von "Deutschland, scheinheilig Vaterland" in Ihren Händen.

Beim Anderwelt-Verlag bedanke ich mich und empfehle Ihnen auch die weiteren Titel dieses mutigen Buchhauses. Ich denke, auch mein nächstes Buch werde ich zuallererst dem Anderwelt-Verlag anbieten.

Über den weiteren Verlauf der Auseinandersetzungen mit BoD werde ich in GT berichten.

Königs Wusterhausen, Ende November 2010

Norbert Gisder

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